ÖBB-Personenverkehr AG führt COSware ein   

Zug um Zug modernisiert

Die ÖBB-Personenverkehr AG führt ein bundesweit einheitliches IT-System für die Fuhrparkverwaltung, Instandhaltung, Disposition, Leistungsverrechnung und Kundeninformation ein. Dahinter steht eine Softwarelösung der COS GmbH.

Unsere Lösung für ÖBB im Überblick:

Fuhrparkmanagement von 3.300 Personen- und 360 Triebwagen, Abbildung aller relevanten Prozesse in einem System, Wagendatenbank mit Schnittstelle in das ÖBB-Intranet, Instandhaltungsmanagement, Überwachung der Wartungsintervalle in Abhängigkeit von Zeit und Laufleistung, Lebensakte, Life-Cycle-Costing, Optimierung des Lagerbestands, Garantie- und Kulanzerkennung, Rechnungskontrolle, Schadens-Meldesysteme IVR und FMS, kürzere Standzeiten und beschleunigte Reparaturen durch Vorwarnsystem, Disposition, Zugbildung, Umlaufplanung, Reinigungsmanagement, Darstellung der Wagenumläufe in Gantt-Diagrammen, Überblick über Produktivzeiten und Nebenleistungen, Erfassen von Fremdwagen ausländischer Bahngesellschaften, deutlich erhöhte Fahrzeugverfügbarkeit, effizienterer Einsatz der Wagen, spürbare Kostenersparnisse, erhöhte Wirtschaftlichkeit des Fuhrparks, ...

COSware bei ÖBB

Autorennen in der Formel 1 werden oft in der Boxengasse entschieden. Unterstützt durch Hochleistungsrechner und ausgeklügelte Software wählen die Team-Strategen den optimalen Zeitpunkt zum Tanken und Reifenwechseln. Nur mit Hilfe von Computern lässt sich die Vielzahl der Einflussfaktoren noch überblicken.

Was für einen Rennstall mit zwei Fahrzeugen einleuchtet, gilt erst recht für den Fuhrpark der ÖBB Personenverkehr AG mit rund 3.300 Personen- und 360 Triebwagen, die täglich zu neuen Zug-Kombinationen aneinandergereiht werden. Jeder einzelne Wagen hat seinen eigenen Wartungsplan und ist im Verlauf einer Woche auf unterschiedlichen Strecken unterwegs. Bis ein bestimmtes Fahrzeug auf seinem Umlauf an seinen Ausgangspunkt zurückkommt, vergehen oft mehr als 30 Tage.

Früher wurden die damit verbundenen zahlreichen Arbeitsschritte bei den ÖBB dezentral geplant und durch regionale Disponenten ausgeführt. Die technischen Inspektionen der Wagen orientierten sich deshalb in der Regel nicht an der tatsächlichen Laufleistung, sondern an der gegenwärtigen Auslastung einzelner Werkstätten.

 

Aus diesem und anderen Gründen entschied sich die ÖBB-Personenverkehr AG im Jahr 2004 für ein landesweit einheitliches und zentral steuerbares IT-System für die Fuhrparkverwaltung, Instandhaltung und Disposition. Zusätzlich sollte die Leistungsverrechnung sowie die Kundeninformation verbessert werden. Das Vorhaben erhielt den Namen ReM - eine Abkürzung für „Reisezugwagenmanagement“. Mit der Umsetzung wurde das Software- und Beratungshaus COS aus Oberkirch betraut.

„COSware bietet die Möglichkeit, alle relevanten Prozesse in einem System abzubilden“, so ÖBB-Projektleiter Robert Bruckner.

Bis auf einzelne Teilbereiche der Disposition wurde das europaweit einmalige Projekt im Januar 2008 abgeschlossen.

Zum Systemstart wurden vor vier Jahren die Daten sämtlicher Reisezugwagen aus den bisherigen Systemen übernommen und für die zentrale Fuhrparkverwaltung in einer gesammelten Datenbank hinterlegt.

„Eine Besonderheit der neuen Wagendatenbank ist ihre Schnittstelle in das ÖBB-Intranet“, betont Bruckner.

Dadurch können alle Mitarbeiter im ÖBB-Konzern auf die Wagendaten zugreifen. Dieser Schritt konnte bereits im Sommer 2004 abgeschlossen werden.

 

Die Datenbank bildet zugleich die Grundlage für das COSware Programm-Modul „Instandhaltungs-Management“. Die Software überwacht die Wartungsintervalle in Abhängigkeit der Faktoren Zeit und Laufleistung und dokumentiert die Leistung und Kosten der Werkstätten sowie sämtliche Reparaturen. Dabei wird zu jedem Fahrzeug eine Lebensakte angelegt, wodurch bestimmte Schadenshäufungen auf einen Blick sichtbar werden. Insgesamt entsteht so eine Berechnungsgrundlage für die Life-Cycle-Costs der einzelnen Wagen. Dieser Projektschritt konnte Anfang 2005 abgeschlossen werden.

„Durch COSware sehen wir jetzt sofort, welche Teile besonders häufig ausfallen und können unsere Lagerhaltung darauf ausrichten“, erklärt Bruckner.

Der Kostenvorteil liege zum einen in den optimierten Beständen, aber auch in der nun möglichen vorbeugenden Wartung. „Durch das neue System fiel uns zum Beispiel auf, dass in den Speisewägen immer wieder die Kaffeemaschinen ausfielen“, so Bruckner. Man sei der Sache nachgegangen und hätte die Wartung der Maschinen optimiert – die Schadenserie gehöre seitdem der Vergangenheit an.

 

Ein weiterer Aspekt der COS-Lösung ist die integrierte Garantie- und Kulanzerkennung, mit der das Erstellen von Garantieanträgen wesentlich erleichtert wird. Die Arbeitsvorgänge und Schadcodes der Hersteller können einfach integriert und als Grundlage für die Garantieanträge verwendet werden. In der Praxis lässt sich damit die Anzahl der Garantieanträge steigern und für alle klar abwickeln. Die Folge sind höhere Hersteller-Erstattungen und eine günstigere Verhandlungsposition, da viele Fakten direkt im System zugänglich sind.

Wesentlich ist auch ein weitgehend automatisierter Datenaustausch der Werkstattaufträge mit dem ÖBB-Tochterunternehmen Technische Services. Der Austausch der Auftragsdaten erfolgt über einen Online-Datenbank-Link zwischen den beiden IT-Systemen. Dadurch wird auch die anschließende Rechnungskontrolle erheblich erleichtert.

 

Zeitgleich mit der Einführung des Instandhaltungs-Managements etablierten die ÖBB die Funktion des Wageneinsatzleiters. Dieser steuert mit Hilfe von COSware die Zuführung des Fuhrparks in die Werkstatt oder in den Reservewagenbestand. Rund 100 Wageneinsatzleiter der ÖBB sind für den effizienten Einsatz der Wagen verantwortlich – mit Erfolg.

Durch COSware habe sich „die Fahrzeugverfügbarkeit deutlich erhöht“ und „der wesentlich effizientere Einsatz der Wagen führt zu einer spürbaren Kostenersparnis“, so Bruckner.

Durch das zentrale Management der Inspektionstermine könne man zudem „sehr nah an die Wartungslimits heranfahren, was die Wirtschaftlichkeit des Fuhrparks wesentlich erhöht.“

Die so genannten Planabstellungen im Fuhrpark konnten im Ergebnis um 25 Prozent gesenkt werden.

 

Für große Transparenz sorgen zudem die in die Lösung integrierten Schadens-Meldesysteme IVR und FMS. Die Abkürzungen stehen für „Interactive Voice Response“ beziehungsweise „Fleet Monitoring System“.

Mit IVR meldet der Zugbegleiter noch während der Fahrt etwaige Mängel per SMS über eine Schnittstelle direkt an COSware - und damit auch an die zuständige Wageneinsatzleitung. FMS beruht hingegen auf Sensoren, die mögliche Schäden automatisch erkennen und ebenfalls an COSware weiterleiten. In diesem Fall führt der Übertragungsweg über einen Bordrechner, die so genannte FMS-Box. Sie ist im Wagendach untergebracht und baut automatisch eine GSM/GPRS-Funkverbindung zu COSware auf. Eingesetzt wird FMS derzeit in einem Business- und einem Speisewagen. Beide sind jeweils mit bis zu 58 Sensoren ausgestattet, die Störungen an elektronischen Einrichtungen wie WC, Licht oder Klimaanlage erkennen und melden können.

Durch die unmittelbaren Meldungen durch IVR und FMS kann der Wageneinsatzleiter umgehend die Reparatur des gemeldeten Schadens beim nächsten Halt veranlassen, oder – bei größeren Defekten – einen Ersatzwagen organisieren. Parallel werden die Störungsmeldungen durch COSware auch direkt an die Werkstatt übermittelt, damit die notwendigen Ersatzteile rechtzeitig bereitgestellt werden können. Das Vorwarnsystems ermöglicht kürzere Standzeiten und beschleunigte Reparaturen.

 

Der dritte Aufgabenbereich im ReM-Projekt neben der Fuhrparkverwaltung und der Instandhaltung ist die Disposition. Darin enthalten sind die Zugbildung sowie die so genannte Umlaufplanung und das Reinigungsmanagement. Mit dem COSware-Modul „Disposition“ steuert der Wageneinsatzleiter, welcher Wagen in welchem Zug zum Einsatz kommt. Durch die Datenbank sieht er dabei genau, welches Fahrzeug wann und an welchem Ort verfügbar ist.

Instandhaltungsaufträge können – in einem Arbeitsgang - direkt in der Disposition erstellt werden. Eine Spezialisierung der Wageneinsatzleiter auf einen der Bereiche „Instandhaltung“ oder „Disposition“ ist somit nicht notwendig.

Die Basis der Disposition bilden die COSware-Module Zugbilde- und Umlaufplanung, wobei voll auf Transparenz gesetzt wird: Die Wagenumläufe werden als so genannte Gantt-Diagramme (s. Kasten) dargestellt und automatisch von Tag zu Tag fortgeschrieben. Damit lässt sich eine über mehrere Tage laufende Umlaufkette übersichtlich darstellen. Ebenso sind Produktivzeiten und Nebenleistungen auf einen Blick ablesbar.

Das Erfassen von Fremdwagen ausländischer Bahngesellschaften in COSware ist ebenfalls möglich. Dadurch können bei Grenzüberschreitungen zusätzliche Wagen schnell und effizient aufgenommen werden. Die Daten dienen zugleich der späteren Abrechnung mit den internationalen Bahngesellschaften. Mit dieser Software arbeiten die rund 30 bei der ÖBB Personenverkehr AG beschäftigten Planer. Sie erarbeiten die Vorgaben für die Disposition, die den Wageneinsatzleitern als Tagesprogramm zur Verfügung gestellt werden.

 

Robert Bruckner und seine Mannschaft haben im Laufe des ReM-Projektes bereits viel erreicht, doch am Ende der Entwicklung sind sie noch lange nicht angekommen.

„Demnächst realisieren wir die Reservierung von Zusatzwagen und ein Verspätungs-Frühwarnsystem“, plant Bruckner.

Ebenso will der Projektleiter noch eine grafische Variante der Umlaufplanung umsetzen sowie die automatische Verschub-Planung und Beauftragung. Der Fahrgast profitiert durch COSware aber nicht nur von einer konstant höheren Qualität: In naher Zukunft werden die Wagenstandsanzeiger am Bahnsteig (auf den Hauptbahnhöfen oder: auf einigen Großbahnhöfen…) auf großen Flachbildschirmen angezeigt – immer mit den aktuellen Informationen der tatsächlichen Zugfolgen.

 

 

Hintergrund: Gantt-Diagramm

Ein Gantt-Diagramm oder Balkenplan ist ein nach dem Unternehmensberater Henry L. Gantt (1861–1919) benanntes Instrument für das Projektmanagement. Es zeigt die zeitliche Abfolge von Aktivitäten grafisch in Form von Balken auf einer Zeitachse. Im Unterschied zum Netzplan ist bei einem Gantt-Diagramm auch die Dauer der Aktivitäten deutlich sichtbar.

 

 

Hintergrund: ÖBB Personenverkehr AG

Die ÖBB-Personenverkehr AG ist Österreichs größter Mobilitätsdienstleister undbetreibt täglich knapp 4.000 Züge. Zwischen 1995 und 2006 hat das Unternehmen über 2,4 Milliarden Menschen in ihren Zügen befördert. 85 Prozent davon nutzten den Nahverkehr Die ÖBB-Personenverkehr AG beschäftigt rund 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

 

Pressekontakt:
Marcus Walter / KfdM - Kommunikation für den Mittelstand
Sudetenweg 12, 85375 Neufahrn, Tel. 08165 / 999 38 43

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